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Neuigkeiten aus dem Land der Kleinen Hufeisennasen

Wir bleiben wach, damit sie ruhig schlafen können - Erste Ergebnisse des Hufiprojektes

Photo: D. Nill

Nach über anderhalb Jahren Arbeit liegen nun erste Ergebnisse des Projektes zur "Sicherung des Sommerquartierangebotes der Kleinen Hufeisennase in Thüringen 2008- 2010" vor. In dieser Zeit ist es gelungen, mit Unterstützung von Bürgern und Behörden die Situation in vielen Sommerquartieren der Kleinen Hufeisennase deutlich zu verbessern.

Hier die Ergebnisse in Stichpunkten:

Für über 60 Wochenstuben der Kleinen Hufeisennase wurden wichtige Quartierparameter erfasst. Die Daten sind in eine eigens erstellte Datenbank der Sommerquartiere der Kleinen Hufeisennase eingeflossen.

Anhand der Daten wurde eine Prioritätenliste erstellt, die die Gefährdungen und den Handlungsbedarf bei den Sommerquartieren aufzeigt und als Grundlage für die Umsetzung von Maßnahmen diente.

Bei der Kontrolle von über 50 Verdachtsquartieren konnten 12 Kolonien der Kleinen Hufeisennase nachgewiesen werden. Bei 6 dieser Quartiere handelt es sich um Quartiere in denen Jungtiere geboren werden.

14 Einzelmaßnhmen zur Quartiersicherung oder zur Schaffung von Ausweichquartieren wurden durchgeführt. 8 Maßnahmen befinden sich derzeit noch in Umsetzung und werden im Herbst 2010 abgeschlossen.

Die Projektdarstellung in der Öffentlichkeit erfolgte durch das Label "Hufiland" und das Motto "Thüringen ist Hufiland". Im Rahmen von zahlreichen Presseerscheinungen, Projektpräsentationen, Vorträgen, Faltblättern und Informationstafeln wurde über die Lebensweise und Situation der Kleinen Hufeisennasen in Thüringen informiert.

Trotz dieser ersten Erfolge bleibt noch viel zu tun, denn bei vielen Wochenstubenquartieren stehen aktuell Sanierungen oder Abrissarbeiten an. Eine dauerhafte Betreuung der Wochenstubenquartiere ist eine wichtige Vorraussetzung dafür, dass sich die Kleinen Hufeisenasen in Thüringen endlich wieder ausbreiten können.

Hufis im Rampenlicht

Kleine Hufeisennasen sind echte Flugkünstler. Ausdauerflug ist nicht ihre Sache, aber wenn es um Wendigkeit und Geschicklichkeit geht, sind sie kaum zu übertreffen. Davon konnte sich auch der renomierte Naturfotograf Marko König aus Bad Hersfeld überzeugen. Leise macht es klick klack wenn Marko König versuchsweise mit der Hand die Lichtsschranke auslöst. Nur mit Hilfe einer Lichtschranke lassen sich Kleine Hufeisennasen im Flug fotografieren. Am Fenster einer alten Baracke angebracht, soll das Gerät mehrere Blitzgeräte auslösen, wenn eine der ca. 20 Hufeisennasen am Abend das Quartier verlässt. Bei der von der Unteren Naturschutzbehörde des Lkr. Saalfeld- Rudolstadt genehmigten Aktion, sollen für öffentlichkeitswirksame Publikationen in Thüringen Flugaufnahmen der seltenen Fledermausart angefertigt werden. Als gegen 21: 30 Uhr die erste Hufeisennase die Lage ausserhalb des Quartiers erkundet, löst sie erstmalig die Lichtschranke und damit die Blitzgeräte aus. Da schon nach kurzer Zeit einige sehr gute Flugaufnahmen gelungen sind, kann die Anlage schnell wieder abgebaut werden, um die Tiere nicht weiter unnötig zu beunruhigen. Das Resultat der Bildauswertung am folgenden Tag sind faszinierende Momentaufnahmen dieser sonst so versteckt lebenden Fledermäuse.

Kleine Hufeisennasen im Spaalhaus

Das im Wald bei Großkochberg idyllisch gelegene Spaalhaus war in Thüringen eines der ersten Gebäude, dessen Dachboden zu einem Sommerquartier für die Kleine Hufeisennase hergerichtet wurde. Bei der am 21. Juni 2010 durchgeführten Erfolgskontrolle konnte nun anhand von Kotnachweisen (siehe unteres Bild) im Dachboden die Besiedelung durch die Kleine Hufeisennase festgestellt werden. Die Tiere waren zwar zum Zeitpunkt der Kontrolle nicht im Quartier, die Kotspuren zeigen jedoch, dass sich hier regelmäßig Kleine Hufeisennasen aufhalten. Ursprünglich war der Einbau einer Fledermauseinflugöffnung als Ausweichquartier gedacht, denn das nebenstehende ehemalige Ferienlager- gebäude mit einer Wochenstube der Kleinen Hufeisennase sollte mittelfristig abgerissen werden. Die Entscheidung wurde jedoch seitens des Forstamtes Bad Berka überdacht. Nun soll das Gebäude erhalten werden und nach einer Sanierung Lager- und Aufenthaltsräume beherbergen. Die baulichen Maßnahmen werden mit Fördermitteln aus dem Projekt - Thüringen ist Hufiland- unterstützt.

Seit der Sanierung im Jahr 2009 erfreut sich das Spaalhaus zunehmender Beliebtheit als Veranstaltungsort für Feierlichkeiten und Kinderfreizeiten. Hoch erfreut jetzt sicher auch die Kleinen Hufeisennasen vom Spaal, denn sie haben an diesem schönen Platz nun einen erweiterten Sommerwohnsitz.

Wasserzisterne als Quartier für Hufeisennasen

Im Stammland der Kleinen Hufeisennase dem Saale- Holzland- Kreis wurde am vergangenen Dienstag dem 02.06.10, ein neues Quartier für die Hufeisennasen eingeweiht. Günther Hücker (64) und Dr. Martin Nimptsch (73) aus Ottendorf wurden dafür mit der Plakette "Fledermausfreundlich" des Thüringer Ministers für Landwirtschaft, Forst, Umwelt und Naturschutz ausgezeichnet. Hücker und Nimptsch hatten die Idee, einen zum Abriss vorgesehenen unterirdischen Druckbehälter des Wasserverbands zu einem Quartier für die Kleine Hufeisennase und andere Fledermausarten um zu funktionieren. Hierfür haben sie keine Kosten und Mühen gescheut und gleich das ganze Grundstück mit der Zisterne von der Gemeinde Ottendorf erworben. Die beiden Freunde der Hufeisennasen errichteten im Inneren der Anlage eine Wärmekammer als Hangplatz für die Hufeisennasen. Die beiden unterirdischen Räume können verschiedene Fledermausarten fortan zur Überwinterung nutzen und an der Außenfassade wurde auch ein geräumiges Spaltenquartier angebracht. Nun heißt es nur noch warten, dass die ersten nachtaktiven Besucher Einzug halten.

Thüringer Fledermausschutz geht stiften

Die Stiftungslandschaft des Freistaates Thüringen ist mit der am 19. Mai 2010 der Öffentlichkeit vorgestellten STIFTUNG FLEDERMAUS vielfältiger geworden. Bei der Gründungsveranstaltung der seit 2009 bestehenden Stiftung im ehemaligen Kloster Donndorf waren zahlreiche Vertreter des ehrenamtlichen und behördlichen Naturschutzes, anderer Stiftungen, Verbände und Medien vertreten. Der Thüringer Umweltminister Jürgen Reinholz würdigte die bisherige gute und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Thüringer Fledermausschützern aus IFT e.V. und Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Thüringen. Die Interessengemeinschaft für Fledermausschutz und –forschung Thüringen e.V. war es auch, die das Mindestkapital für eine Stiftung bürgerlichen Rechts in Höhe von 25 Tausend Euro aufgebracht hat.

Die STIFTUNG FLEDERMAUS hat sich den Schutz aller Fledermausarten auf die Fahnen geschrieben. Sie lädt alle am Schutz der Fledermäuse Interessierten ein, Ideen, Mittel und Möglichkeiten beizusteuern, um gemeinsam die Stiftung mit Leben zu erfüllen. 

Übergabe der Plakette "Fledermausfreundlich"

Foto: OTZ/ Frank Döbert

Für die Kleinen Hufeisennasen in Jena wurde am 30. April 2010 ein neues Sommerquartier eingeweiht. Seit nunmehr 3 Jahren bewohnen die Hufeisennasen bereits das große Sandsteingewölbe unter der Burg. Hier überwintern derzeit 3-4 Tiere. Der Eigentümer Hr. Dr. Willsch war schnell begeistert, als sich herausstellte welche besonderen Gäste in seinem Kellergewölbe eingezogen sind. Bei einer Winterzählung entstand so auch die Idee, den Tiere in einem der Dachbodenbereiche auch ein Sommerquartier anzubieten. Mit finanzieller Unterstützung des Fachdienstes Umweltschutz der Stadt Jena konnte eines der Giebelfenster mit einer Einflugöffnung ausgestattet werden. Für diese Schutzbemühungen wurde der neue Quartiervater von der Leiterin des Fachdienstes Umweltschutz der Stadt Jena Frau Isabell Günther mit der Plakette "Fledermausfreundlich" ausgezeichnet.

Jena ist in Bezug auf die Kleine Hufeisennase einmalig in der Bundesrepublik. In keiner anderen Großstadt in Deutschland gibt es noch Wochenstuben der Art. Derzeit leben schätzungsweise 20- 30 Hufeisennasen im Stadtgebiet. Die Stadt Jena und das mittlere Saaletal sind in der Summe das größte Vorkommensgebiet der possierlichen Tierchen in Mitteleuropa.

Wiese bei Neusitz - Foto mit frdl. Genehmigung des Landratsamte Saalfel-Rudolstadt
Wiese bei Neusitz
Rhinolophus hipposideros - Foto Dietmar Nill
Rhinolophus hipposideros
Blick vom Kulm (Berg bei Saalfeld)- Foto mit frdl. Genehmigung des Landratsamte Saalfel-Rudolstadt
Blick vom Kulm (Berg bei Saalfeld)